Trotz eines klaren, fraktionsübergreifenden Beschlusses der Bezirksversammlung Harburg (Drs. 22-1326) beharrt der Hamburger Senat auf seinem harten Sparkurs bei den Integrationsmitteln. Wir als Linksfraktion Harburg warnen: Die Kürzungen bei den Sozialräumlichen Integrationsnetzwerken (SIN) sind realitätsfern und brandgefährlich für das soziale Gefüge in unserem Bezirk.

Die aktuellen Zahlen für das Jahr 2026 zeigen das Ausmaß der Kürzungen. Bewährte Projekte, die seit Jahren unverzichtbare Arbeit leisten, stehen vor massiven finanziellen Einbußen. Besonders hart trifft es den Bereich IN VIA – OJUSA Zuwanderung, dem über 22.900 Euro (-16,6 %) gestrichen werden. Auch der Deutsche Kinderschutzbund Plus (-8,9 %) und die aufsuchende Männer- und Väterarbeit des DRK (-8,2 %) sind von spürbaren Kürzungen betroffen.

Der Senat rechtfertigt diese Streichungen mit angeblich sinkenden Zugangszahlen von Geflüchteten. Eine Sichtweise, die an der Harburger Realität komplett vorbeigeht.

Sven Olaf Fennen, unser Vertreter im Sozialausschuss, stellt klar: „Die Unterkünfte in Harburg sind nach wie vor nahezu voll belegt. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt mittlerweile 3,7 Jahre. Hier einen sinkenden Bedarf zu konstruieren, ist schlicht zynisch!“

Auch Simon Dhemija, sozialpolitischer Sprecher der Linksfraktion, sieht die Entwicklung mit großer Sorge: „Wer fast vier Jahre in einer Unterkunft feststeckt, braucht keine Kürzungen, sondern verstärkte Unterstützung, Beratung und soziale Stabilisierung. Besonders für Kinder, die jahrelang in diesen unsicheren Verhältnissen aufwachsen, sind die niedrigschwelligen SIN-Angebote überlebenswichtig.“

Die Strategie des Senats, Geflüchtete einfach auf die bestehenden Regelangebote im Sozialraum zu verweisen, kann nur scheitern. Viele Einrichtungen im Bezirk arbeiten bereits heute an der Belastungsgrenze. Wenn nun gleichzeitig Mittel auf Bundesebene wegfallen und der Senat lokal kürzt, bricht die soziale Infrastruktur an vielen Stellen gleichzeitig weg.

Wir fordern den Senat auf, den Beschluss der Bezirksversammlung – der von Linken, SPD, Grünen, CDU, FDP und Volt gemeinsam getragen wird – endlich ernst zu nehmen. Integration braucht Verlässlichkeit statt kurzfristiger Streichlisten.

„Integration kann der Finanzsenator nicht einfach nach Kassenlage mal eben wegkürzen. Wer bei der Beratung und Unterstützung von Familien in Unterkünften spart, fördert soziale Ungerechtigkeiten und schwächt die Quartiere nachhaltig. Wir fordern eine bedarfsgerechte Finanzierung und echte Planungssicherheit für die Träger in Harburg“, so Simon Dhemija abschließend.

Hintergrund: Die Streichliste des Senats (Auszug Förderung 2026)

  • IN VIA OJUSA Zuwanderung: Kürzung um 22.962,89 € (-16,64 %)
  • Deutscher Kinderschutzbund Plus: Kürzung um 11.494,21 € (-8,89 %)
  • DRK Aufsuchende Männer- u. Väterarbeit: Kürzung um 10.601,00 € (-8,18 %)

Laut Senat beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in öffentlicher Unterbringung aktuell 3,7 Jahre. Eine Zeitspanne, in der professionelle Begleitung durch SIN-Projekte wichtiger ist denn je.

Last modified: 9. März 2026