Der neue Hamburger Mietenspiegel ist da. Auf den ersten Blick scheint es eine gute Nachricht zu sein: Mit einer Steigerung von 5,8 Prozent innerhalb von zwei Jahren fällt das Plus so gering aus wie seit 20 Jahren nicht mehr. Doch wir als Linksfraktion Harburg warnen vor verfrühter Freude: Für viele Hamburger*innen und so auch Harburger*innen ist das keine Entlastung, sondern nur ein langsameres Drehen an der Preisschraube.

Zwar ist die Steigerung mit durchschnittlich 2,9 Prozent pro Jahr geringer als in der Vergangenheit, doch das liegt vor allem an statistischen Effekten und den bereits extrem hohen Ausgangswerten. Für einen Haushalt in Harburg, der ohnehin schon jeden Euro zweimal umdrehen muss, sind auch 5,8 Prozent mehr Kaltmiete eine schwere Last.

Warum der Mietenspiegel die Realität oft schönt

Der Mietenspiegel bildet nur einen Teil des Marktes ab. Viele Faktoren, die die Mieten in die Höhe treiben, tauchen dort gar nicht oder nur unzureichend auf:

  • Indexmieten: Wer einen Indexmietvertrag hat, ist dem Mietenspiegel oft schutzlos ausgeliefert, da die Miete an die Inflation gekoppelt ist.
  • Möblierter Wohnraum: Ein riesiges Schlupfloch! Immer mehr Vermieter*innen vermieten Wohnungen „möbliert“, um die Mietpreisbremse und den Mietenspiegel legal zu umgehen.
  • Mietabzocke: Rund zehn Prozent der Hamburger Mieten liegen deutlich über dem, was der Mietenspiegel eigentlich zulässt.

Heike Sudmann, wohnungspolitische Sprecherin der Linksfraktion in der Bürgerschaft, stellt klar: “5,8 Prozent Steigerung sind kein Grund zum Feiern, wenn die Einkommen nicht im gleichen Maße steigen. Besonders für Menschen mit geringem Einkommen bleibt die Lage prekär. Wir brauchen keine Atempause, sondern einen echten Mietstopp!”

Harburg im Visier der Spekulation

Gerade in Harburg beobachten wir eine gefährliche Entwicklung. Weil die Mieten in der Eimsbütteler oder Altonaer Kernstadt für fast niemanden mehr bezahlbar sind, weichen immer mehr Menschen und Investor*innen auf unseren Bezirk aus. Das führt dazu, dass auch in Harburg die Preise für ehemals günstigen Wohnraum rasant steigen.

In Stadtteilen wie Wilstorf, Marmstorf oder Neugraben-Fischbek wird jeder Spielraum des Mietenspiegels von den Vermieter*innen gnadenlos ausgenutzt. Die Folge: Langjährige Nachbarschaften werden zerrissen, weil sich Rentner*innen oder junge Familien die Preissprünge nicht mehr leisten können.

Unsere Forderungen für Harburg:

  1. Bundesweiter Mietstopp: Die Mieten müssen für mehrere Jahre eingefroren werden, damit die Löhne wieder aufholen können.
  2. Schlupflöcher schließen: Die Umgehung des Mietenspiegels durch möbliertes Wohnen oder Kurzzeitvermietung muss gestoppt werden.
  3. Mehr Sozialwohnungen: Wir brauchen in Harburg einen echten Fokus auf den Bau von dauerhaft preisgebundenem Wohnraum statt teurer Eigentumswohnungen.
  4. Kostenlose Rechtsberatung stärken: Mieter*innen müssen in die Lage versetzt werden, unzulässige Mieterhöhungen ohne finanzielles Risiko abzuwehren.

Der Mietenspiegel darf kein Freibrief für die nächste Erhöhungswelle sein. Die Linksfraktion Harburg kämpft weiter dafür, dass Wohnen im Bezirk Harburg bezahlbar bleibt – für alle Hamburger*innen!

Der aktuelle Mietenspiegel 2025 samt Erläuterungen findet sich in einer Broschüre hier zum download.

Last modified: 17. Dezember 2025