Die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen hat den neuen Sozialmonitoring-Bericht für das Jahr 2025 vorgelegt und kommt zu dem Schluß: “Hamburgs Quartiere sind weiterhin sozial stabil. Die Ergebnisse des aktuellen Sozialmonitoring-Berichts zeigen keine Anzeichen für ein soziales Auseinanderdriften in der Stadt.” Auf den ersten Blick liest sich das Dokument also wie eine Bestätigung städtischer Erfolgspolitik.: Von Stabilisierung und positiven Entwicklungen in vielen Quartieren ist die Rede. Doch wer genau hinschaut und die nackten Zahlen mit der Lebensrealität vor Ort im Bezirk Harburg abgleicht, erkennt schnell: Die Stadt Hamburg neigt dazu, die soziale Spaltung durch statistische Durchschnittswerte und geschönte Narrative zu kaschieren. Wir als Linksfraktion Harburg haben den Bericht analysiert und fordern eine Politik, die sich an der Realität der Menschen orientiert, statt an geschönten Kennzahlen.

Das Hamburger Sozialmonitoring bewertet die Stadtteile nach einem Index aus verschiedenen Indikatoren wie Arbeitslosigkeit, Sozialleistungsbezug und dem Anteil von Kindern aus einkommensarmen Haushalten. Besonders im Fokus stehen dabei die Gebiete mit „sehr niedrigem“ oder „niedrigem“ Status. Ein Blick auf die Karte zeigt: Der Hamburger Süden bleibt das Sorgenkind der Stadt. Große Teile von Harburg-Kern, Wilstorf, Heimfeld und Neugraben-Fischbek verharren seit Jahren auf den untersten Rängen der sozialen Skala.

Die Stadt versucht im Bericht, die Situation durch den Begriff der „Dynamik“ positiv zu färben. Wenn ein Stadtteil mit ohnehin sehr schlechten Werten keine weitere Verschlechterung erfährt, wird dies oft bereits als Erfolg der „Integrierte Stadtteilentwicklung“ (RISE) gefeiert. Doch Stillstand auf niedrigem Niveau ist kein Erfolg, sondern ein Armutszeugnis. In Harburg verfestigt sich die Armut. Während in der HafenCity oder in Harvestehude der Reichtum wächst, bleibt für viele Familien in unserem Bezirk der Aufstieg ein unerreichbares Ziel.

Beate Pape, ständige Vertreterin der Linksfraktion im Stadtentwicklungsausschuss, erklärt dazu: „Es ist beschämend, dass der Senat von ‘Stabilisierung’ spricht, während ganze Quartiere in Harburg seit über einem Jahrzehnt im sozialen Keller feststecken. Das Sozialmonitoring darf kein statistisches Trostpflaster sein, um das Wegschauen der Politik zu legitimieren. Wir brauchen im Stadtentwicklungsausschuss eine ehrliche Debatte darüber, warum die Integrierte Stadtteilentwicklung die strukturelle Benachteiligung im Hamburger Süden bisher nicht wirksam aufbrechen konnte.“

Wir fordern als Linksfraktion Harburg eine ehrliche Bestandsaufnahme und konsequentes Handeln:

  1. Weg von der statistischen Kosmetik: Wir brauchen eine kleinräumige Analyse, die nicht nur auf den Sozialleistungsbezug schaut, sondern die reale Kaufkraft und die Belastung durch Wohn- und Energiekosten einbezieht.
  2. Eine echte Stärkung der Infrastruktur: RISE-Mittel dürfen nicht nur in bauliche Verschönerungen fließen, sondern müssen dauerhaft soziale Einrichtungen, Kitas und Beratungsstellen in den belasteten Quartieren finanzieren. Also Stadt eben auch entwickeln!
  3. Ein Stopp der Verdrängung: Sozialmonitoring darf nicht auch noch als Planungsgrundlage für Gentrifizierung missbraucht werden. Wir brauchen einen Schutz für die Mieter*innen in den Quartieren, die statistisch als „stabil“ gelten, in Wahrheit aber kurz vor dem sozialen Umkippen stehen.

Beate Pape: „Wirkliche Stadtentwicklung bedeutet mehr als nur Fassadenpolitik. Ein neuer Spielplatz oder eine hübsche Bank im RISE-Gebiet lindern keine Kinderarmut. Was wir in Harburg brauchen, ist eine echte Offensive für bezahlbaren Wohnraum und eine soziale Infrastruktur, die diesen Namen auch verdient. Nur wenn wir die Gelder dorthin lenken, wo die Not am größten ist, können wir die wachsende Kluft zwischen Nord und Süd in dieser Stadt schließen.“

Der Bericht 2025 zeigt deutlich: Der Süden Hamburgs wird weiterhin abgehängt, wenn die Stadt ihre Politik der schönen Worte nicht beendet. Wir werden nicht zulassen, dass die soziale Schieflage in Harburg hinter bunten Grafiken versteckt wird. Gerechtigkeit gibt es nicht durch Monitoring, sondern durch Umverteilung und eine konsequente Unterstützung derer, die unsere Stadt am Laufen halten.

Last modified: 2. Januar 2026