Hamburg plant erneut, sich für die Olympischen und Paralympischen Spiele zu bewerben – dieses Mal für die Jahre 2036, 2040 oder 2044. Nach der klaren Ablehnung durch einen Volksentscheid im Jahr 2015 präsentiert sich der Senat mit einem vermeintlich überarbeiteten Konzept, das auf Nachhaltigkeit, Bürger*innenbeteiligung und die Nutzung bestehender Infrastruktur setzt. Doch eine nüchterne Betrachtung der Fakten zeigt, dass die Risiken die Versprechen bei Weitem überwiegen.

Die Befürworter*innen der Olympiabewerbung, wie die Initiative “Hamburg Active City”, zeichnen ein positives Bild. Die Spiele sollen als “Katalysator für eine positive Stadtentwicklung” dienen. Man verspricht, 87 Prozent der Sportstätten seien bereits vorhanden oder geplant und müssten nur temporär angepasst werden, um unnötige Neubauten zu vermeiden. Ein nachhaltiger Mobilitätsplan mit kurzen Wegen und die Integration der Paralympics als Motor für eine barrierefreie Stadtentwicklung werden ebenfalls beworben.

Doch die Erfahrungen anderer Gastgeberstädte und die spezifischen Probleme Hamburgs zeigen, dass diese Versprechen schnell zu Papiertigern werden können.

Finanzielle Risiken: Ein Fass ohne Boden

Die Ablehnung der letzten Bewerbung im Jahr 2015 hatte einen klaren Hauptgrund: die finanziellen Bedenken. Die damals geschätzten Kosten von 11,2 Milliarden Euro, von denen 1,2 Milliarden Euro von der Stadt getragen werden sollten, wurden als “zu teuer” und “Geldverschwendung” empfunden.

Und die Geschichte zeigt, dass solche Bedenken mehr als berechtigt sind: Olympische Spiele sind berüchtigt für massive Kostenüberschreitungen. Seit 1960 betrug die durchschnittliche Kostenüberschreitung 172 Prozent. Rio 2016 überstieg das Budget um 352 Prozent, Tokio 2020 um 128 Prozent. Die eigentliche finanzielle Belastung entsteht durch langfristige Infrastrukturinvestitionen, die Einnahmen oft bei Weitem übersteigen. London 2012 beispielsweise kostete 14,6 Milliarden US-Dollar, generierte aber nur 5,2 Milliarden US-Dollar an Einnahmen.

Dieses Geld, das für die Spiele ausgegeben wird, stellt sogenannte Opportunitätskosten dar: Es fehlt dann an anderer Stelle, in dringend benötigten Bereichen wie Bildung, Gesundheitswesen oder der Instandhaltung der bestehenden Infrastruktur.

Der Wohnungsmarkt: Vertreibung statt Entlastung

Hamburg kämpft bereits jetzt mit einer massiven Wohnungsnot und rasant steigenden Mieten. Die Nachfrage übersteigt das Angebot um rund 10.000 Wohnungen pro Jahr. In dieser angespannten Situation bergen Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele das Risiko, die Mieten weiter in die Höhe zu treiben und Gentrifizierung voranzutreiben. Benachteiligte Bevölkerungsgruppen werden so oft gezwungen, umzuziehen.

Das Versprechen, das geplante Olympische Dorf in der Science City Bahrenfeld nach den Spielen in einen Wissenschaftsstandort umzuwandeln, ist wenig glaubwürdig, wenn man die durchwachsene Erfolgsbilanz solcher Projekte in anderen Städten wie Athen 2004 und Montreal 1976 betrachtet, wo olympische Unterkünfte ungenutzt oder halb leer blieben. Eine Olympiabewerbung könnte die bestehenden sozialen Ungleichheiten in unserer Stadt noch weiter verschärfen.

Infrastruktur und Umweltschäden

Der Bau einer neuen Multifunktionsarena mit 60.000 Plätzen im Olympiapark Altona wirft die Sorge vor einem “weißen Elefanten” auf – einem Projekt, das nach den Spielen teuer in der Wartung ist und hinter den Erwartungen der Nutzung zurückbleibt. Zudem werden die massiven Baumaßnahmen, die unter Zeitdruck stattfinden, erhebliche Störungen wie erhöhten Lärm, Staub und Verkehrsumleitungen für die Anwohner*innen verursachen.

Auch die versprochene “nachhaltige Bewerbung” steht im Widerspruch zu den Erfahrungen anderer Gastgeberstädte. Trotz der schönen Rhetorik führten vergangene Spiele oft zu erheblichen Umweltschäden, wie Abholzung und illegaler Müllentsorgung. Der ökologische Fußabdruck derartiger Großevents, von erhöhten Transportemissionen bis hin zur massiven Müllproduktion, ist enorm und die Wirksamkeit von Nachhaltigkeitsplänen bleibt häufig hinter den ehrgeizigen Versprechen zurück.

Ehrliche Politik statt olympischer Träume

Hamburg hat sich bereits 2015 gegen die Olympischen Spiele entschieden. Die Gründe von damals sind heute noch aktueller. Die erneute Bewerbung ist ein riskantes Spiel mit den Steuergeldern und der sozialen Struktur unserer Stadt. Es ist eine Ablenkung von den eigentlichen Problemen, die dringend gelöst werden müssen: der Wohnungsnot, der maroden Infrastruktur und den fehlenden Investitionen in Bildung und Gesundheit. Der Senat muss sich von diesem olympischen Traum verabschieden und eine Politik machen, die den tatsächlichen Bedürfnissen der Hamburger*innen gerecht wird!

Last modified: 11. August 2025