In Moorburg tut sich was: Am 1. Dezember 2025 wurde der Grundstein für den neuen 100-Megawatt-Elektrolyseur auf dem Gelände des ehemaligen Kohlekraftwerks gelegt. Doch hinter der glänzenden Fassade des „grünen Wasserstoffs“ verbergen sich erhebliche Verzögerungen, Intransparenz und eine bedenkliche Privatisierung öffentlicher Infrastruktur. Wir als Linksfraktion Harburg fordern: Energiewende ja, aber bitte transparent und im Sinne der Hamburger*innen!

Was als Vorzeigeprojekt der norddeutschen Wasserstoffstrategie gefeiert wird, wirft bei genauerem Hinsehen viele Fragen auf. Die jüngste Schriftliche Kleine Anfrage (Drs. 23-2272) unseres Bürgerschaftsabgeordneten Stephan Jersch zeigt deutlich, dass der Senat bei kritischen Punkten lieber auf „Betriebsgeheimnisse“ verweist, als für Klarheit zu sorgen.

Eigentlich sollte die Anlage bereits früher an den Start gehen. Nun ist der kommerzielle Betrieb erst für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant. Als Gründe werden verzögerte EU-Fördermittel und notwendige Anpassungen an das Hamburger Wasserstoffnetz (HH-WIN) genannt. Während die Zeit verstreicht, bleibt unklar, ob die geplanten Ziele für die Dekarbonisierung der Industrie im Hafen überhaupt noch rechtzeitig erreicht werden können.

Besonders kritisch sehen wir die Besitzverhältnisse im Konsortium „Hamburg Green Hydrogen Hub“ (HGHH). Der private Vermögensverwalter Luxcara hält 74,9 Prozent (!) der Anteile, während die stadteigenen Hamburger Energiewerke lediglich mit 25,1 Prozent beteiligt sind. Damit liegt das Heft des Handelns faktisch in privaten Händen.

Diese Dominanz der Privatwirtschaft führt zu einer massiven Informationsblockade: Zwar wird mit einem „mittleren dreistelligen Millionenbetrag“ gerechnet, doch genauere Angaben verweigert der Senat unter Verweis auf Geschäftsgeheimnisse. Und zu konkreten Abnehmern gibt es keine Auskunft. Damit bleibt völlig unklar, ob der in Moorburg produzierte Wasserstoff wirklich der Hamburger Industrie nützt oder nur zum Spielball des Marktes wird.

Abwärme? Fehlanzeige!

Ein weiteres ökologisches Ärgernis: Obwohl der Elektrolyseur einen Wirkungsgrad von rund 80 Prozent haben soll, gibt es bis heute kein Konzept zur Nutzung der industriellen Abwärme. Konzepte hierfür sollen erst im Laufe des Jahres 2026 erarbeitet werden. Wertvolle Energie wird also vorerst ungenutzt verpuffen – eine verpasste Chance für die lokale Wärmewende in Harburg und Umgebung.

Auch die Hoffnung, dass der Wasserstoff direkt für grünen Stahl bei ArcelorMittal in Hamburg sorgt, hat einen Dämpfer erhalten. Das Unternehmen hat die Umstellung auf eine grüne Produktion bereits um mehrere Jahre nach hinten verschoben, da unter anderem ein verbindlicher Zuwendungsbescheid des Staates fehlt.

Unser Fazit für Harburg: Moorburg ist ein zentraler Standort für die Zukunft unserer Stadt. Aber eine Energiewende, bei der private Investoren die Gewinne einstreichen und der Senat die demokratische Kontrolle durch Geheimhaltung aushebelt, lehnen wir ab.

Wir fordern:

  1. Volle Transparenz über die Kosten und die Verträge mit Abnehmern.
  2. Mehr städtischer Einfluss: Die Grundversorgung mit Energie und Wasserstoff gehört in öffentliche Hand – und nicht zu 75 Prozent einem privaten Vermögensverwalter.
  3. Konsequente Ressourcennutzung: Kein Bau ohne verpflichtendes Konzept zur Abwärmenutzung!

Die Linksfraktion Hamburg und auch in Harburg wird weiterhin kritisch nachhaken, damit Moorburg kein Luftschloss für private Investoren wird, sondern ein echter Gewinn für die Menschen in unserem Bezirk!

Last modified: 17. Dezember 2025

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