Mit einem neuerlichen Antrag (Drs. 22-1580) fordert die Linksfraktion Harburg eine weitere Besichtigung der Unterkunft Schlachthofstraße – diesmal öffentlich, mit Presse und vor allem unter Beteiligung der Bewohner*innen.

Denn die Zustände in der dortigen Erstaufnahmeeinrichtung stehen seit Monaten in der Kritik. Doch statt Transparenz zu schaffen, mauert die Innenbehörde.

Seit Herbst 2025 reißen die Proteste der Bewohner*innen und der Initiative „Abolish Camp Schlachthofstraße“ nicht ab. Die Vorwürfe wiegen schwer: Marode Sanitäranlagen, mangelnde Privatsphäre in den oben offenen „Kompartimenten“ und Berichte über Einschüchterungen durch den Sicherheitsdienst prägen den Alltag in der ehemaligen Großmarkthalle.

Bereits Anfang 2025 hatte die Bezirksversammlung eine Besichtigung beschlossen (Drs. 22-0499). Doch die Umsetzung war aus Sicht der Linken eine Farce: Pressevertreter*innen waren nicht zugelassen, die Menschen vor Ort konnten ihre Sichtweise nicht darstellen und es wurde kein Protokoll erstellt, das die tatsächlichen Zustände festhält.

Während die Behörde für Inneres und Sport (BIS) behauptet, bestehende Dialogformate seien ausreichend und Verbesserungen bereits umgesetzt (Drs. 22-1160.01), zeichnen die Betroffenen ein anderes Bild. Zwar wurde Anfang 2026 der Sicherheitsdienst gewechselt und die Belegung der Schlafboxen leicht reduziert, doch das Grundproblem bleibt: Die Halle ist als dauerhafter Wohnort für über 500 Menschen völlig ungeeignet. Besonders bitter: Trotz des „Notstandort“-Status wurde der Mietvertrag für das Areal klammheimlich bis September 2028 verlängert.

Daher fordern wir auch im neuen Antrag:

  • eine zeitnahe, öffentliche Besichtigung der Unterkunft Schlachthofstraße
  • Teilnahme von Presse und Politik, um eine unabhängige Berichterstattung zu ermöglichen
  • direkter Dialog, damitBewohner*innen ihre Erfahrungen und die alltägliche Realität vor Ort schildern können
  • ein offizielles Protokoll, das der Bezirksversammlung als Grundlage für weitere Maßnahmen dient

Simon Dhemija, sozialpolitischer Sprecher der Harburger Linksfraktion: „Wir brauchen keine geschönten Berichte aus den Behördenstuben, sondern ungeschönte Transparenz. Wer Menschen über Jahre in einer Lagerhalle unterbringt, darf sich nicht vor der öffentlichen Kontrolle verstecken!“

Als Linke Harburg bleiben wir dabei: Die Schlachthofstraße muss als Notunterkunft geschlossen und die Menschen dezentral und menschenwürdig untergebracht werden!

Last modified: 17. März 2026